BDFL-News

01.08.2008
ITK 2008: Trainerkongress der Superlative in Wiesbaden
“Die Trainer sind der Schlüssel für die Zukunft!”
ITK-Rekordbeteiligung: Über 1000 Teilnehmer Als Sportstadt - „Stadt mit Kick” - präsentierte sich Wiesbaden, die zum ersten Male vom BDFL als Austragungsort für den Internationalen Trainer-Kongress (ITK) vom 28. bis 30. Juli 2008 ausgewählt worden war. Die hessische Landeshauptstadt bot dabei allerbeste Voraussetzungen mit den Rhein-Main-Hallen für die Vorträge und der Brita Arena - Heimstätte des Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden - für die Praxiseinheiten. Es war ein Kongress der kurzen Wege und einer sensationellen Gastfreundschaft für die über 1.000 Fußballtrainer.
Das Leitthema des ITK 2008 lautete: „Taktische Trends der EURO 2008 und ihre Auswirkungen auf die Trainingsarbeit.” 1.050 Fußballtrainer, davon 40 ausländische Gäste aus 23 Nationen, bedeuten eine Rekordbeteiligung, auf die BDFL-Präsident nicht ohne Stolz bei der Eröffnung hinwies. Der Berufsverband, der kürzlich sein 4.000 Mitglied begrüßen konnte, überschritt erstmals die 1.000-Teilnehmer-Marke bei einem ITK in seiner 51-jährigen Geschichte. Die DFB-Sportlehrer Bernd Stöber, Frank Wormuth, Erich Rutemöller und Frank Engel präsentierten zum Kongress-Start ihre Erkenntnisse und Ergebnisse der EURO 2008. Im taktischen Bereich konnten wenige Innovationen konstatiert werden. Erfolgreich war am Ende des Turniers die Mannschaft mit den besten Einzelspielern und der größten taktischen Variabilität. Die Lehre für die Ausbildung von Spielern kann deshalb auf die Formel gebracht werden: individuelle Klasse fördern und diese Fähigkeiten dann für die Mannschaft einsetzen. “Das ist ein lebender Prozess”, meinte Bernd Stöber, der im Hinblick auf die deutsche Nationalmannschaft bei der EM “hier und da noch Defizite” sah. Dem Team habe die Konstanz gefehlt, die die Spanier das ganze Turnier über ausgezeichnet habe: “Nun ist es an uns, uns mit typisch deutschen Tugenden heranzuarbeiten.”
BDFL-Vizepräsident Felix Magath: „In jedem Land wird anders gespielt, die Mentalität spiegelt sich im Fußball wider. Die Deutschen haben nicht immer den besten, aber oft den erfolgreichsten Fußball gespielt.” Deutschlands zweimaliger „Trainer des Jahres” möchte taktische und Systemfragen nicht zum Dogma erheben, favorisiert selbst aber das Spiel mit zwei Spitzen: „So spielt man am flexibelsten nach vorne. Grundsätzlich bestimmen aber die Spieler, die man zur Verfügung hat, die Taktik.” Dass bei der EURO 2008 von den meisten Topteams auf ein System mit nur einem echten Angreifer zurückgegriffen wurde, ist laut Magath vor allem dem ergebnisorientiertem Denken bei einem Großereignis geschuldet: „Damit haben die Trainer versucht, das defensive Potenzial der Mannschaften zu erhöhen.” Generell sei es leichter, Abwehrarbeit zu verrichten - und auch, diese als Trainer zu vermitteln.
Am zweiten Kongress-Tag referierte DFB-Sportlehrer Jörg Daniel über „Das Torhüterspiel bei der EURO 2008 - Konsequenzen für das Training?” als Abschluss der DFB-EURO-Analyse. Darüber hinaus informierten die beiden DFB-Ausbilder Bernd Stöber (B- und A-Lizenz) und Frank Wormuth (Fußball-Lehrer) über die Neuerungen in der Trainerausbildung des DFB. Wormuth: „Trainer müssen ihr Leben lang lernen.” Wer die höchste deutsche Trainerlizenz erwerben will, die als UEFA-Pro-Lizenz zugleich dazu berechtigt, Teams in allen europäischen Topligen zu führen, müsse sich inzwischen einer deutlich praxisbezogeneren Ausbildung unterziehen. Fußball muss dabei immer der rote Faden in der Trainerausbildung sein, so die Ausbilder. Am Dienstagvormittag standen die Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten (Bodo Menze, Leiter der Nachwuchsabteilung von Schalke 04) und die Zertifizierung der Nachwuchsleistungszentren der 1. und 2. Bundesliga (Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann, Uni Erlangen) im Mittelpunkt des Programms. Im Bereich der Talentförderung hat Deutschland internationale Maßstäbe gesetzt. Parallel wurde von den Teilnehmern unter fachkompetenter Leitung (Peter Starzmann, Ramon Berndroth) über Vorstellungen zur Gestaltung eines Trainings im Ablauf einer Woche im mittleren/oberen Amateurbereich diskutiert.
An den beiden ITK-Nachmittagen übten die Demogruppen vom SV Wehen Wiesbaden in der „Brita-Arena” mannschaftstaktisches Abwehr- und Angriffsverhalten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Auch der Spielaufbaun und das Herausspielen von Torchancen stellten einen Schwerpunkt bei den Praxisdemonstrationen dar. Diese Übungsformen, die den Trainern handfeste praktische Anleitungen für das eigene Training liefern sollen, wurden von den ITK-Teilnehmern auf der Westtribüne der Brita-Arena aufmerksam und dankbar aufgenommen. Der Schlusstag hielt einige Höhepunkte für die Trainer bereit: Der Mittwoch bildete auch in Wiesbaden den krönenden Abschluss eines erfolgreichen ITKs. Zunächst referierte Volker Finke (Ex-Trainer SC Freiburg) mit eindrucksvollen Bildern über „Die Euro 2008 aus der Sicht des Trainers und TV-Kommentators” und hielt ein Pladoyer für effektiven Kombinationsfußball. Danach gab Ralf Rangnick (Cheftrainer TSG 1899 Hoffenheim) in seinem Vortrag über „Die Bedeutung der taktischen Ausbildung im Fußball aus der Sicht des Profitrainers” den Trainerkollegen wertvolle Tipps und verdeutlichte, wie taktisches Verhalten im Spiel umgesetzt und im Training vermittelt werden kann. Rangnick machte sich für die inhaltlich hochwertige Arbeit des BDFL stark: „Der Beruf des Trainers hat in Deutschland nicht den Stellenwert wie im europäischen Ausland. Das liegt nicht nur an den Medien, sondern auch an unserer eigenen Identität. In den letzten 40 Jahren waren wir sicher prägend als Turniermannschaft, aber im taktischen Bereich waren wir eben nur selten die Trendsetter.”
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion mit Volker Finke, Matthias Sammer, Ralf Rangnick und Heiko Herrlich unter der souveränen Moderation von Marcus Jung (Premiere) über „Die Erkenntnisse der EURO 2008 und deren Auswirkungen auf die Trainingsarbeit” gingen die Meinungen doch auseinander und es wurde stellenweise kontrovers diskutiert. Es war eine Gesprächsrunde mit Format, mit breitem Fachwissen aller beteiligten Trainer und somit für die Zuhörer eine Bereicherung zur eigenen Meinungsbildung. Matthias Sammer betonte die Eckpunkte seiner Erfolgsphilosophie, in deren Mittelpunkt immer der Trainer steht. „Die Trainer sind der Schlüssel für die Zukunft des Fußballs”, sagte Sammer. Für den DFB-Sportdirektor haben bei der EM gerade auch die starken spanischen Defensivspieler den Ausschlag zum Erfolg gegeben. Sammer: „Die Zukunft des Spiels liegt in der Ausbildung der Innenverteidiger, die immer häufiger, bedingt durch das Mittelfeld-Pressing des Gegners, eine aktive Rolle beim Spielaufbau übernehmen müssen.”
Der Triumph der deutschen U19-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Tschechien am vergangenen Samstag war auch wichtiges Gesprächsthema beim 51. ITK. „Dieses Ergebnis zeigt, dass der deutsche Fußball seine Hausaufgaben gemacht hat”, sagte BDFL-Präsident Horst Zingraf vor dem Plenum. „Es wurden schon vor einigen Jahren die Grundlagen geschaffen, die jetzt die ersten Erfolge bringen.”
Die Kongress-Leitung des BDFL mit Horst Zingraf (Präsident), Lutz Hangartner (Vizepräsident/Fortbildungskommission), Jürgen Pforr (Schatzmeister), Horst Hülß (Pressechef) und Organisator Michael M. Meurer (Bundesgeschäftsführer) konnte am Ende des ITK 2008 Wiesbaden ein überaus positives Fazit ziehen, das insbesondere durch die große positive Resonanz der Kongress-Teilnehmer - inhaltlich wie organisatorisch - untermauert wurde. Zingraf: „Im Mittelpunkt des ITK stand die Fortbildung der Teilnehmer. An Hand der Analyse der EM 2008 wurde herausgearbeitet, worauf die Erfolge und auch Misserfolge der einzelnen Mannschaften beruhten, um dann in einem zweiten Schritt die Konsequenzen für die Trainingsarbeit aufzuzeigen. In der Praxis wurden exemplarische Lösungsansätze präsentiert. Dieses Ziel haben wir erreicht!”
Der Dank des BDFL gilt der Stadtverwaltung Wiesbaden, der hessischen Landesregierung, dem SV Wehen Wiesbaden und nicht zuletzt den zahlreichen ehrenamtlichen Kongress-Helfern aus den eigenen Reihen, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Zingraf: „Wiesbaden war der ideale Kongress-Ort - nicht nur was die Infrastruktur anbelangt, sondern auch bezüglich der Gastfreundschaft und des Engagements der Gastgeber.” Der ITK 2008 wird nicht der letzte Trainerkongress in Wiesbaden gewesen sein.
Einen besonderen Dank richtete der BDFL-Präsident an den DFB, der durch seine Präsenz und die aktive Teilnahme seiner DFB-Sportlehrer wesentlich zum Gelingen dieses Kongresses beitrug. BDFL-Vizepräsident Lutz Hangartner: „Die enge Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund zahlt sich aus. DFB und BDFL haben ein starkes gemeinsames Interesse, nämlich die gute Ausbildung aller Trainer in Deutschland zu gewährleisten.” Im Bereich der deutschen Trainerfortbíldung ist dies in den drei Wiesbadener Tagen beim ITK 2008 hervorragend gelungen.
ITK 2008 in Wiesbaden fixiert
13.12.2007
Jetzt ist es sicher: Der BDFL veranstaltet seinen Internationalen Trainer-Kongress im kommenden Jahr in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Termin ist Mo., 28. bis Mi., 30. Juli 2008, Anreisetag ist So., 27. Juli 2008. Der Kongress-Beginn ist am Montag um 09.00 Uhr. Veranstaltungsorte werden die Rhein-Main-Hallen (RMH) für die Vorträge sowie die „Brita Arena“ für die Praxisdemonstrationen sein.
Die RMH bieten hervorragende Bedingungen mit ausreichenden Kapazitäten für die erwarteten 1.000 Teilnehmer. Von dort sind es nur wenige Meter bis zum Hauptbahnhof und bis in die Innenstadt. Das Stadion des Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden wurde in Rekordzeit von Juni bis Oktober 2007 erstellt. Der Laufweg zwischen RMH und Brita-Arena beträgt rund 1,3 Kilometer (10-15 Minuten fußläufig), was der Idealvorstellung von einem „Kongress der kurzen Wege“ sehr nahe kommt.
Durch den Aufstieg des SV Wehen Wiesbaden in die 2. Bundesliga und den Stadionneubau will sich die Weltkurstadt Wiesbaden als „Stadt mit Kick“ positionieren und ihr sportliches Profil schärfen. Die Stadtverwaltung sowie die hessische Landesregierung haben ihre Unterstützung bei der Durchführung zugesagt.
Auch zu den Verantwortlichen beim SV Wehen Wiesbaden bestehen hervorragende Kontakte hinsichtlich der Mitwirkung beim ITK 2008, insbesondere bei den Praxisdemonstrationen.
Inhaltlich wird es sich beim ITK 2008 schwerpunktmäßig um die Taktik drehen - insbesondere von dem Hintergrund der Leitlinien der DFB-Spielphilosophie. Der taktischen Schulung und den verschiedenen Spielsystemen einer Mannschaft kommt eine zunehmend größere Bedeutung zu. Neben diesem taktischen Schwerpunkt kann auf dem Kongress sicherlich bereits ein erstes Fazit der Europameisterschaft 2008 gezogen werden. Für die Trainer sind die diesbezüglichen Auswirkungen auf die Trainingsarbeit besonders interessant. Die BDFL-Fortbildungskommission arbeitet derzeit an der Ausgestaltung der ITK-Thematik.
Internationaler Trainer-Kongress 2007 in Nürnberg auf höchstem Niveau
Der diesjährige Internationale Trainer-Kongress vom 23. bis 25. Juli 2007 fand im Congress Centrum Nürnberg Ost und im nahe gelegenen easycredit Stadion unter dem Motto: „Individualisierung des Trainings – ein wichtiger Baustein für die Entwicklung sportlicher Höchstleistungen“ statt. Rund 800 Trainer und 47 Gäste aus 24 Ländern, darunter auch eine Trainerin aus Island, Asta Skaeringsdottel, bildeten einen prächtigen Rahmen.
Lutz Hangartner, BDFL-Vizepräsident Amateurtrainer, hatte wiederum mit seinen Kollegen der Fortbildungskommission ein anspruchsvolles Programm für diese drei Tage zusammengestellt.
Als am Montag BDFL-Präsident Horst Zingraf die Teilnehmer und Ehrengäste begrüßte und willkommen hieß, darunter auch den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, die noch lebenden anwesenden BDFL-Gründungsmitglieder, den UEFT-Präsidenten Jozef Venglos, den UEFT-Generalsekretär Karlheinz Raviol, den Geschäftsführer Spielbetrieb der Deutschen Fußball Liga (DFL), Holger Hieronymus, den früheren DFB-Chefausbilder Gero Bisanz, den DFB-Abteilungsleiter Trainerausbildung Markus Weidner, DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller, sowie die DFB-Sportlehrer Bernd Stöber, Jörg Daniel und Horst Hrubesch, konnte niemand ahnen welches „Feuerwerk“ mit den zwei Vorträgen von DFB-Direktor und BDFL-Präsidiumsmitglied Matthias Sammer folgen sollten „Der weite Weg zum Erfolg – die neue Ausbildungskonzeption und Eliteförderung des DFB“ und nach der Kaffeepause „Ist Erfolg planbar? Initiativen zur Leistungsoptimierung im Bereich der DFB-Junioren-Nationalmannschaften“.
Matthias Sammer fand einfache, klare Worte, um seine Vorstellungen zu verdeutlichen: eine Spitzenstellung im Weltfußball. Dazu komme vor allem den Fußballtrainern eine Schlüsselstellung zu. „Die Rolle des Trainers muss einen anderen Stellenwert bekommen. Der Trainer ist etwas Besonderes, deshalb heißt er in England auch Boss, in Italien Mister, in Brasilien Professor, bei uns manchmal Trottel – das kann einfach nicht sein!“ Auch die Freude an der Bewegung und am Fußballspielen muss weiter im Mittelpunkt stehen. Mit seiner Forderung „am liebsten wäre mir, wenn die Kinder täglich Sport hätten“, sprach Matthias Sammer den meisten Zuhörern aus dem Herzen.
Am Nachmittag folgten, nach einer Einführung von Michael Köllner, DFB-Stützpunkttrainer und Ralf Peter, DFB-Sportlehrer, die Trainings- und Übungsformen im WM-Stadion: „Auch im Mannschaftstraining jedes Talent individuell fördern und fordern! Einblicke in die Praxis des DFB-Talentförderprogramms“ mit Michael Köllner und Kollegen und am späten Nachmittag von Ralf Peter „Mit System den Ball erobern – gruppen- und mannschaftstaktisches Training in der Defensive“.
Wie in den Vorjahren konnten am Dienstagmorgen die Kongress-Teilnehmer zwischen den angebotenen Parallelveranstaltungen wählen. Im Saal Shanghai sprach Prof. Werner Schmidt (Uni Duisburg-Essen) über „Kindgerechtes Fußballtraining: Analytisches, Kritisches und Konstruktives“, im Saal Tokio referierte Frau Andrea Stensitzky-Thielemanns (Ernährungsberaterin) zum Thema „Fußball und Ernährung“. Anschließend im Saal Shanghai Horst Wein (Diplomsportlehrer) über „Die Entwicklung der Spielintelligenz im Fußball“ und Prof. Dr. Jürgen Weineck (Uni Nürnberg-Erlangen) im Saal Tokio über„Die Bedeutung einer frühen Koordinationsschulung im Fußball“.
Nach der Kaffeepause trug dann Dr. Hans-Dieter Hermann (Sportpsychologe im Betreuungsteam der DFB-Nationalmannschaft) seine Gedanken und Vorstellungen mit praktischen Beispielen vor „Stressbewältigung für Trainer im leistungsorientierten Fußball“, bevor dann Dany Ryser (Chefausbilder des Schweizerischen Fußballverbandes) eine Einführung für die Praxis am Nachmittag vornahm. „Wie werden Tore erzielt und was sind die Konsequenzen für das Training?“. Das “Individuelle Abschlusstraining“, ein Stürmertraining, musste witterungsbedingt wegen des abendlichen Halbfinalspieles im Ligapokal 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04 dann auf einen Nebenplatz stattfinden, was der inhaltlichen und praktischen Qualität der der Demonstration in keiner Weise abträglich war.
Festakt zum 50. Jubiläum des BDFL mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger
Zum absoluten Höhepunkt des ITK 2007 wurde der Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Berufsverbandes BDFL. BDFL-Präsident Horst Zingraf eröffnete die Feier, die Moderation übernahm bestens vorbereitet Günther Koch, freier Sportjournalist, der sachverständig und kompetent durch das Programm führte. Filmzusammenschnitte aus den fünfziger Jahren und die herausragenden Erfolge von Spitzentrainern in Deutschland sowie überragende Technik und Akrobatik mit dem Fußball auf der Bühne von zwei „Freestyle-Ballartisten“, bereiteten das „Finale“ vor: Dettmar Cramer, mittlerweile 82 Jahre alt, Gründungsmitglied und von 1963 bis 1967 auch Vorsitzender des BDFL, FIFA-Trainer in vielen Ländern, Ex-Bundesligatrainer zog mit einem philosophisch, tiefgründigen Vortrag alle in seinen Bann.
Auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger gratulierte herzlich zum 50-jährigen Jubiläum, zog Vergleiche mit Tendenzen in der Gesellschaft und stellte die positive Wirkung des Trainerverbandes in der Entwicklung heraus, eine optimale Partnerschaft zwischen DFB und BDFL, eine Zusammenarbeit, die kaum besser sein könnte. Als sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit und als Dank und Anerkennung der Arbeit des BDFL überreichte der DFB-Präsident eine wertvolle Tafel.
Dr. Jozef Venglos, UEFT-Präsident, überbrachte danach die Glückwünsche des europäischen Trainerverbandes und erinnerte daran, dass der BDFL wesentlich zur Gründung dieser kontinentalen Trainerunion beigetragen hat, Vorbild und Verantwortung dort immer trug und stets im Präsidium vertreten war. Auch hier schenkte die UEFT zur Erinnerung ein Bild, sinnigerweise „Halbzeit“.
Die Ehrung der anwesenden sieben Gründungsmitglieder Dettmar Cramer, Ferdinand Fabra, Willi Gerke, Günter Hentschke, Heinz Lucas, Oswald Osadczuk und Horst Stürze durch BDFL-Präsident Horst Zingraf mit der Überreichung eines Ehrentellers war beeindruckend und hatte Stil. Nach dieser Feier erlebten viele der anwesenden Trainer noch den Pokalkampf zwischen den beiden Altmeistern Nürnberg und Schalke.
Am Abschlusstag imponierte zunächst Dr. Elmar Wienecke (Saluto GmbH) mit seinem Referat „Leistungsexplosion durch optimales Training – individualisierte Trainingsplanerstellung in der Vorbereitung und in der Saison“, anschließend zeigte Klaus Eder (Mitglied im medizinischen Team der Nationalmannschaft) „Verletzungsprophylaxe aus der Sicht des Sportphysiotherapeuten“.
Der Tokio-Saal war proppenvoll als Viertel vor Elf die Podiumsdiskussion begann mit dem Thema: „Trainer und Manager – Architekten des sportlichen Erfolges“. Eine bewährte Gesprächsrunde mit Rainer Holzschuh (Kicker Sportmagazin) als souveränem Moderator und den Fußball-Lehrern Felix Magath (Cheftrainer und Manager beim VfL Wolfsburg), Hans Meyer (Cheftrainer 1. FC Nürnberg), Jürgen Klopp (Cheftrainer 1. FSV Mainz 05) und als Gegenpart Martin Bader (Manager 1. FC Nürnberg) sowie Andreas Rettig (Manager FC Augsburg). Die passenden Argumente wurden ausgetauscht, es wurde nachgefragt und kritisch hinterfragt. Das Thema reizt zum Streiten, aber es ist der berühmte Streit um des Kaisers Bart. Felix Magath jedenfalls behauptete: „Die Trainerposition ist immer schwächer geworden, die Managerposition immer stärker, weil immer mehr Geld ins Spiel gekommen ist.“ „Wichtig wäre, dass die Vereine mutiger werden, wenn es um die Verpflichtung von jungen Trainern geht!“, meinte unter anderem Jürgen Klopp, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.
Die „Nürnberger Tage 2007“ mit einer sehr guten Organisation, mit Referaten und Praxiseinheiten auf höchstem Niveau nahmen einen sensationellen Verlauf, woran sicherlich auch die glänzenden, infrastrukturellen Voraussetzungen beitrugen. Die Funktionsträger des BDFL, zusammen mit BGF Michael M. Meurer hatten diesen Kongress bestens vorbereitet und organisiert. Lob auch von den Medien, die durch BDFL-Pressereferent Horst Hülß bestens betreut wurden.
ITK 2007: Erneut Kongress der kurzen Wege in der Frankenmetropole
Der Bund Deutscher Fußballlehrer von Lars Köppler
Fast 50 Jahre ist es her, dass der Weltmeistertrainer von 1954 eine Organisation ins Leben rief, die heute zu den größten Fußballtrainerverbänden der Welt gehört. Im Schulterschluss mit Dettmar Cramer gründete Sepp Herberger 1957 den Bund Deutscher Fußballer-Lehrer e. V., dem mittlerweile fast 3800 Mitglieder angehören.
Der BDFL ist der Berufsverband der vom DFB lizenzierten Fußballtrainer mit Fußball-Lehrer-Lizenz (UEFA-Pro-Licence) oder A-Lizenz (UEFA-A-Licence). Seit 1995 erlebte diese Vereinigung von Profi– und Amateurtrainern einen rasanten Mitgliederzuwachs um satte 35 Prozent. Auf dem Präsidentenstuhl sitzt seit geraumer Zeit der Saarländer Horst Zingraf, der als ehemaliger Oberliga-Torwart, Hochschullehrer und Jugend-Verbandstrainer beste Referenzen für dieses Amt vorweisen kann. „In Deutschland gibt es derzeit 4053 Fußballtrainer mit A-Lizenz und 4013 Fußball-Lehrer“, nennt er beeindruckende Zahlen seit den anfänglichen Pionierdiensten der beiden Trainerfüchse. Geballte Kompetenz und Prominenz, die den deutschen Spitzenfußball aktiv repräsentieren. „Der BDFL ist eine selbstständige Organisation, die nicht dem DFB unterstellt ist. Sie ist damit in ihrer Art einmalig“, unterstreicht Zingraf die Autonomie des Gremiums, ohne aber die gute Gemeinschaftsarbeit mit dem DFB zu verschweigen. „Inzwischen ist etwas passiert im Verhältnis zwischen dem DFB und dem BDFL. Wir sind in den entscheidenden Ausschüssen mit zwei Sitzen vertreten und haben dort obersten Zugang.“ Doch der BDFL- Boss hat auch schon Zeiten im Zwist miterlebt. Bei der UEFA werde das deutsche Modell nicht gerne gesehen, sagt Zingraf, der aber auf jeden Fall die Unabhängigkeit des Verbandes bewahren möchte.
Die Aufgaben dieser Union sind klar definiert: Eine stetige Qualifizierung der Trainer, die Interessenvertretung dieses Berufsstandes und eine informativ-effektive Öffentlichkeitsarbeit gehören ebenso zum täglichen Brot des BDFL wie die Überwachung des Fairplay in Trainerangelegenheiten. Gerade im letzten Punkt scheiden sich oft die Geister, wird von einigen Profi-Ausbildern fehlende Moral bei Entlassungen von Kollegen angeprangert. Dieses Thema bewog vor einiger Zeit auch Hannovers Trainer Peter Neururer, damals noch in Diensten des VfL Bochum, zum Austritt, weil der BDFL seine ethischen Ansichten nicht teilen wollte. Inzwischen ist der Mann aus dem Ruhrpott jedoch wieder ein fester Bestandteil im Bund. „Das Konzept und unsere Arbeit haben Peter nachhaltig überzeugt“, freut sich Zingraf über Neururers Sinneswandel.
Gemäß Paragraph 34 der DFB-Ausbildungsordnung soll jeder Fußball-Lehrer und Trainer mit A-Lizenz Mitglied des BDFL sein und an dessen Fortbildungstagungen sowie den Trainer-Kongressen teilnehmen. Der BDFL gewährleistet die laut DFB-Trainerordnung geforderten Fortbildungsmaßnahmen - 20 Unterrichtseinheiten in drei Jahren - zur turnusmäßigen Verlängerung der Trainerlizenz. „Wir wollen vom Image des Fortbilders zu einer Organisation des beruflichen Fortschritts werden“, wünscht sich der Saarländer Kontinuität und Akzeptanz für die Zukunft.“
Zingraf fordert, dass der BDFL zum Meinungsführer für die Trainergilde werden müsse. Um dieses Ziel zu erreichen, wird unter seiner Regie nichts dem Zufall überlassen. „Zu bestimmten Themen bei unseren Sitzungen werden Experten ausgesucht und verpflichtet, um mit den neuesten Standards der Wissenschaft zu arbeiten“, erklärt er und merkt an: „Der BDFL will kein zahnloser Tiger sein. Daher bieten wir eine maßgeschneiderte Ausbildung für unsere Trainer. Schließlich wollen wir unseren Qualitätsstandard halten und stetig verbessern.“
Doch Qualität hat ihren Preis, das weiß auch Horst Zingraf. Die jährlich an unterschiedlichen Orten stattfindenden Internationalen Trainer-Kongresse (ITK) verschlingen bis zu 150000 Euro an Kostenpunkten. Ohne fremde Hilfe wäre dieser finanzielle Kraftakt nicht zu stemmen. Die Finanzierung dieser Projekte verteilt sich daher auf drei Säulen: 1. Mitgliedsbeiträge, 2. ein Vertrag mit dem DFB als dessen Dienstleister und natürlich 3. das Engagement von Sponsoren, damit der BDFL auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Leistungsfähige Kooperationspartner sind die Weltfirmen Adidas und Intersport. „Wir müssen immer wieder intensive Gespräche und Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern führen“, ist Zingraf mit seinen Mitstreitern immer auf der Suche nach neuen Quellen.
Auch auf internationaler Ebene ist Horst Zingraf ein gefragter Mann. Auf dem 25. Symposium der Union Europäischer Fußballtrainer (UEFT) im November 2004 wurde der BDFL- Präsident einstimmig zum neuen 1. Vizepräsidenten der UEFT gewählt. Die nächsten drei Jahre wird Zingraf als Stellvertreter des wiedergewählten UEFT- Präsidenten Dr. Jozef Venglos fungieren, der als ehemaliger Nationaltrainer der CSSR aktuell der UEFA-Kommission für Technische Entwicklung vorsteht. Doch sein Hauptaugenmerk gilt den Problemlösungen in den acht deutschen Regionalverbänden des BDFL, die jährlich drei bis vier Fortbildungstagungen durchführen. „Es herrscht eine sehr gute Integration zwischen Amateur- und Profitrainern“, hat er bei bisher allen Verbandstagungen mindestens 30 Profitrainer begrüßen dürfen.
Denen stellt Zingraf ein besonders gutes Zeugnis aus. „Thomas Schaaf ist ein überaus engagierter Vertreter der Bundesligatrainer“, hat er festgestellt und freut sich zugleich über die vorbildliche Einstellung von anderen Trainerkollegen wie Felix Magath, Benno Möhlmann, Jürgen Klopp oder Ralf Rangnick. Vom 31. Juli bis 2. August 2006 fand der diesjährige ITK im Hannover Congress Centrum statt. Wieder gaben sich rund 700 Trainer aus Deutschland, Europa und Übersee ein Stelldichein, um in der Landeshauptstadt Niedersachsens bei dieser zentralen Weiterbildungsveranstaltung mit Kollegen zu fachsimpeln. Im vergangenen Jahr pushten prominente Größen wie Christoph Daum, Ottmar Hitzfeld und Jörg Daniel die Veranstaltung mit ihren Fachbeiträgen zu einem gut besuchten und interessiert verfolgten Top-Event. Auch in Hannover erlebte Horst Zingraf mit seiner Crew wieder leidenschaftliche Debatten und lehrreiche Vorträge von anerkannten Fachleuten.